Blitz, Donner, Sonnenschein
und tolle Kulisse beim historischen Burgfest 2007
Bravouröse Akrobatik, spannende Schwertkämpfe und
stimmungsvolle Ritterhochzeit
Als Fest der meteorologischen Kontraste,
aber auch der großen Besucherresonanz und attraktiver Darbietungen der rund 1.000 Akteure
trotz teilweise schwül-warmer Hitze, regelmäßiger Gewittergüsse mit vereinzelten
Hagelschauern, einer nahezu buchstäblich ins Wasser gefallenen Gala am Freitagabend und
einem nassen Ausklang am
Montagnachmittag präsentierte sich das Burgfest 2007. Die Improvisationskunst der
Veranstalter um den Vereinsvorsitzenden Dr. Andreas Greither sowie Anny und Helmut Perseis
war immer wieder gefordert, jedoch ließen sich weder die vielen begeisterten Besucher vom
Besuch des viertägigen Spektakels abhalten noch schränkten sich die Mitwirkenden in
ihrem erfolgreichen Bemühen ein, selbst auf nasser, glitschiger Bühne oder aufgeweichtem
Turnierplatzuntergrund den Mittelalterfans ihr tolles Können in den verschiedensten
Disziplinen zu demonstrieren. Zu reichlich mit Applaus bedachten Höhepunkten entwickelten
sich - neben den vielen anderen gebotenen Schmankerln - die Auftritte der
Löwenritter, die Hochzeitsfeier der Gutrater Ritterschaft zue Hohenwerfen, die
hervorragend choreographierten Gefechte der tschechischen Schwertkämpfer, die mit
mystischer Aura umgebenen Auftritte von Kelvin Calvus und die Fürsterzbischöfliche
Jagdgesellschaft, die hoch zu Ross und in Begleitung eines langen Trosses durch das
Festgelände paradierte.
Regengüsse
bei der Gala
Schlimmer hätte es allerdings kaum kommen
können als bei der für Freitagabend angesetzten Rittergala: Die Zelte waren vorbereitet,
die Tische stilvoll und edel im Burghof gedeckt, in den Cateringbereichen
schlummerten die Leckereien für das mehrgängige Menü, die verschiedenen
Gruppierungen und Einzelakteure hielten sich für ihre im Rahmenprogramm geplanten
Auftritte bereit und die schmuck uniformierten Pagen der Bad Reichenhaller
Hotelberufsfachschule bemühten sich bereits mit Fröhlichkeit und fachlichem Können um
die ersten eingetroffenen Gäste, als sich rund eine halbe Stunde vor dem offiziellen
Beginn die himmlischen Schleusen öffneten und heftige Windböen eine Durchführung des
Festbanketts im Burghof unmöglich machten. Es galt zu retten, was zu retten war:
Bürgermeister Dietmar Cremer, der neben dem Neuöttinger Bürgermeister Frank Springer zu
den Ehrengästen zählte, ließ kurzerhand das Gerbereimuseum öffnen, um ein vorläufiges
Refugium zu offerieren, durch den Caterer wurde unter schützendem Zeltdach eine
Buffetstation aufgebaut und den überaus standhaften und geduldigen Gästen wurde es durch
den fantastischen Einsatz der Hotelfachschüler(innen) möglich, unter anderem
Unterschlupf in der Carabinierstube des Burgfestvereins zu finden. Dort wurde dann nicht
nur das Essen serviert, sondern es entwickelte sich musikalisch unterstützt durch
die Gruppe Vroidenspil eine tolle Stimmung bis zur Sperrstunde,
während im Burghof unter anderem die Gruppe Faida auftrat und die Musiker von Voluptatis
Causa ebenfalls ihre Instrumente auspackten.
Von Samstagnachmittag bis zum frühen
Sonntagabend dann bei Schweiß treibender, eher zum Besuch eines Strandbads einladender
Hitze ein munteres Treiben auf den drei Bühnen, auf der Händlerwiese, im Lager und
Quartier der Alchemisten im Ponlachpark. Eine Reihe von Gruppen und Einzelakteuren
entfalteten jeweils im Halbstundentakt einen bunten Reigen von ausgeklügelt
choreographierten Fechtszenen, Jonglagen und höfischen Schreittänzen zu subtilen
Klängen. Reich gewandete und hübsch anzusehende Tänzerinnen sowie Vertreter der Musici
verkörperten die feine Muse, aber dann erscholl auch wieder forderndes Heischen um
Beifall, wenn handfeste Söldner Jubel für ihre gewagten Aktionen
reklamierten oder wenn es die Gaukler und Vaganten nach dem begehrten
Händegeklapper verlangte.
Edle Hochzeitszeremonie
Zu einem ganz besonderen Besuchermagnet
entwickelte sich die Hochzeitszeremonie der mit dem Burgfest e.V. eng verbundenen
Gutrater Ritterschaft zue Hohenwerfen auf dem Turnierplatz. Begleitet von
einer weiteren Partnergruppierung, der Faida aus dem italienischen Montecchio
Maggiore, die mit farbenprächtig gewandten Trommlern und Fahnenwerfern, dem diesjährigen
Romeo-und-Julia-Paar sowie einer stattlichen Gefolgschaft erschienen war, und einer
erklecklichen Anzahl weiterer Akteure, darunter auch Ruggero II aus Sizilien, vollzogen
Zeremoniar Ulrich von Cheltz, Großmeister Wulf Scheller zue Urstayn, Burghauptmann
Hartmut von Nussdorf und Kanzler Chunrat der Gärr den feierlichen Akt, bei dem nicht nur
Brot, Salz und Wein als äußerliche Insignien des Bündnisses, sondern auch ein
Bergkristall und ein Rosenquarz als noble Symbole der Verbundenheit überreicht wurden.
Zum formvollendeten Abschluss der mehr als einstündigen höfischen Zeremonie bildeten
schließlich die Besucher und Mitwirkenden eine Freundschaftskette und das Hochzeitspaar
wurde zusammen mit den Festgästen in einer feudalen vierspännigen Kalesche zum Mahl in
den Burghof geleitet.
Fröhliches Lagerleben und treiben
Attraktiv auch der Bummel durch die dicht
aneinander aufgeschlagenen Reihen bunter spitzgiebeliger Schabrackenzelte auf der Wiese am
Parapluie, auf dem Burgsöller oder am Rande des Händlerareals mit ihren bunten und auf
Lanzen oder Stangen aufgezogenen Bannern, die mit verklausulierter heraldischer Symbolik
vom Herren der nicht selten üppig mit Fellen und anderen Annehmlichkeiten
ausgestatteten Lagerstatt kündeten, und mehr als ausreichend Gelegenheit boten, sich
erklären zu lassen, wie viel Geduld, Arbeit und handwerkliche Technik die Fertigung der
Rüstungen und Kleider von Hand erfordert. Oder dass der Söldner (der Neuzeit) durchaus
eines mit Holz beheizten ambulanten Badezimmers bedarf. Die ritterlichen
Künste wurden exerciert, die Knappenschule des Freien
Templerordens bot die Chance für Nachwuchsknappen, sich mit den Großen
zu messen oder es gab reichlich Gelegenheit, das pittoreske Seiltanztheater in luftiger
Höhe zu goutieren, das Balancegefühl auf dem niedrig gespannten Seil im stilgerechten
Outfit selbst auszutesten und den vielbeschäftigten Schmieden, Filzern und Schuhmachern
über die Schulter zu schauen. Schließlich machte ein Blick in die verheißungsvoll
duftenden Töpfe und Pfannen oder auf die mit mannigfaltigen Köstlichkeiten dicht
belegten Grillroste Appetit auf die vielfältigen delikaten Angebote der
Schmiererey, der Patissiers, Spanferkelbrater, Waffelbäckerinnen oder der
Steckerlfischanbieter. Und angesichts des subtropischen Klimas florierte natürlich
regelmäßig unterbrochen durch die Gewitterschauer, während derer die Gäste ein
schützendes Dach aufsuchten - auch das Metier der Schänken, die sich des Ansturms der
Gäste kaum erwehren konnten.
Reges Treiben auf der Händlerwiese
Oberhalb des fürsterzbischöflichen
Sommersitzes, auf der so genannten Händlerwiese, wurde munter und unermüdlich
gefeilscht, die Akteure ergänzten ihre Ausrüstung durch Hand gefertigte, blank polierte
Gerätschaften, Waffen, Lederwaren, in diesem Jahr besonders edle Gewandungen oder
Kopfbedeckungen und die kleinen Aspiranten für künftige Burgfeste beanspruchten die
Portemonnaies der Eltern und Großeltern, um für eine künftige Laufbahn als Knappe oder
Ritter im buchstäblichen Sinne des Wortes gewappnet zu sein. Möglichkeiten
für die Kleinen, den Streichelzoo zu frequentieren, die Phantasie durch die von Jonathan
erzählten Märchen anzuregen oder sich spielerisch beim Jonglieren oder Kampf
mit dem Strohsack zu betätigen, gab´s in Hülle und Fülle, so dass sich die
Begleitpersonen nur wenig um die nicht selten leidige Frage der Animation der
Sprösslinge kümmern mussten.
Ganz anders die Welt der Alchemisten im
Ponlachpark: Dieser Bereich figurierte im Zeichen der Gesundheit und dem Wunderglauben!
Der Badebottich der Salzsieder lud ein zum Entspannen vor den flanierenden Besuchern, die
duftenden Kostbarkeiten des Seifensieders und der Kräuterhändler vermischten sich zu
einer ganz besonderen Aromatherapie, Dragal et Menosgada
eröffneten Einblicke ins Mytische, und wer wollte, konnte sich mit geheimnisvollen Runen
bemalen oder seine künftige Fortune aus der Hand und den Karten lesen lassen. Nicht
wenige Besucher und Mitwirkende nutzten auch reichlich die Offerten an Elixieren und
Wundertränken zum Kurieren verschiedenster Zipperlein.
M.W. |