|

 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
|
9.000
Besucher beim ersten Historischen Burgfest" in Tittmoning
Nur in ihren optimistischsten Träumen hatte sich die Organisationscrew unter der Leitung
von Dr. Andreas Greither und Helmut Perseis die hohe Resonanz auf das erste Tittmoninger
Historische Burgfest" vorgestellt. 750 kostümierte
Mitwirkende aus vielen Teilen der Bundesrepublik und einigen europäischen Nachbarländern
weckten die Burganlage am 26. und 27. Mai 2001 für zwei Tage aus ihrem beschaulichen
Froschkönig-Dasein und ließen für rund 9.000 (zahlende!) Besucher eine bewegte Epoche
aufleben, in der Bayern nicht immer zu den Freunden zu zählen war und das Territorium
diesseits und jenseits der Salzach weitgehend von den Salzburger Fürsterzbischöfen
regiert wurde. Ein tolles Fest, das von traumhaften Wetterverhältnissen begünstigt war
und angesichts der vielen österreichischen Gäste dem Euregio-Gedanken konkreten Ausdruck
verlieh.
Prachtvoller Umzug zum Auftakt
Zu einem friedlichen Konvent" samt anschließendem Lagerleben trafen sich
Samstagmittag der aus Burghausen eintreffende, in pittoreskem Ornat aus Samt und Seide
gekleidete vielköpfige Hofstaat des Bayernherzogs und die Abgesandten der uniformierten
Salzburger Bürgergarden, die von Hauptmann Gert Korell und Prälat Domkapitular Sieberer,
einem hochrangigen Vertreter des Salzburger Klerus, angeführt wurden, auf dem Stadtplatz
und formierten sich zu einem prachtvollen Zug. Arkebusiere mit geschulterter schwerer
Büchse, Armbrustschützen, die Communitas Gladii" mit Hellebarde und Schwert,
fahrende Zigeuner mit Sack und Pack", die in der Fourage"
unvermeidlichen Marketenderinnen ..... ein buntes Völkchen, das zum Schmettern der
Fanfaren und dumpfen Schlag der Landsknechtstrommeln den Burgberg hinaufzog und die
Zuschauer zu spontanem Beifall hinriss. Besonderes Augenmerk erhielten die in vollem
Harnisch auftretenden schwarzen Ritter" der tschechischen Schwertkämpfergruppe
Memento vivere" ein Highlight" der zweitägigen
Veranstaltung. Natürlich gingen die salzburgisch-bayerischen Edlen" nicht zu
Fuß, sondern wurden standesgemäß in drei blitzblank geputzten originalen Kaleschen mit
stolzen Rössern befördert.
Magie und Alchemie als Sonderthema
Die nicht nur im europäischen Fausttopos" vielfach beschriebenen Irrungen
vergeblicher Transmutationswünsche in der Schwarzkunst", die Kräuterheilkunde
und die Welt der mittelalterlichen Medici" bildeten ein
Schwerpunktthema des Fests, das von den Auszubildenden der Dragenopharm" unter
der Federführung einer modernen Heilkundigen betreut wurde. In der mystisch-schummrigen
Atmosphäre eines prächtigen Zelts und unter dem natürlichen Dach des uralten
Baumbestands im Ponlachpark wurden Elixire gemischt, das Ansetzen von Schröpfkugeln und
Blutegel demonstriert sowie heilkräftige Tonika für die mannigfaltigsten Gebrechen von
Mann und Frau fabriziert: War´s die mangelnde Libido oder Manneskraft, der aufgeholfen
werden musste, war der Magen nach dem Genuss der opulenten Angebote von Mundschenk und
Koch in Aufruhr, die historischen "remedia" versprachen schnelle Abhilfe. Und
zur Sicherung des Nachschubs an natürlichen Ressourcen war rund um das Zelt ein malerisch
gestalteter und stilechter Kräutergarten angelegt worden, der aufgrund seiner
Originalität und positiven Resonanz unmittelbar nach dem Fest an den Stammsitz des
Naturheilmittelproduzenten Salus" verlegt" wurde.
Ein Paradies für Junker und Edelfräulein
Nicht nur die erwachsenen Freunde des dunklen Mittelalters" und der frühen
Neuzeit gerieten angesichts der Vielfalt an Lustbarkeiten ins Staunen, sondern auch die
kleinen Junker und Edelfräulein. In historisches Leinen gekleidete junge Akrobatinnen,
die erst kurz vor dem Fest zu bayerischen Meisterehren beim Geräteturnen gekommen waren,
zeigten ihre beeindruckenden Künste, Fortuna hatte ihre Hand im Spiel beim Mäuserondell
und mit Pfeil und Bogen konnte auf der Scheibe Treffsicherheit bewiesen werden. Nicht
unwichtig natürlich der prall gefüllte mittelalterliche Basar", auf dem
lustvoll um alle Accessoires gefeilscht werden konnte, die man/fräulein zur stilgerechten
Ausstattung als Ritter oder Gespielin benötigt.
Gaukler und Raufbolde im Burghof
Spektakuläre und begeisternde Waffengänge boten die düsteren und schwarz
geschminkten tschechischen Recken in ihren schweren Brünnen und Furcht einflößenden
eisernen Masken im Burghof. Dröhnende Schläge der gewaltigen Morgensterne und Bihänder
auf Schultern, Rücken oder Brustpanzer, Zweikämpfe Fuß an Fuß und Mann gegen Mann,
Urlaute wie beim mittelalterlichen Turnier. Von ganz anderer Provenienz die Gauklertruppe
Des Raben schwarzer Haufen", die mit drastischen Sprüchen und phantasievollen
Prangerinstrumenten in die Welt der derben mittelalterlichen Volksbelustigungen führte.
Ahnungslose Besucher landeten unversehens in der Schandgeige oder mussten beim
Ablasshandel mit Hoss, der Oberpfeife" unfreiwillig finanzielle Federn lassen.
Und der große Gorani" demonstrierte mit Scherbenhaufen, Nagelbrett und
meterlangen Feuerzungen Fakirkunststücke vom Feinsten. .Schließlich die Communitas
Gladii" des Burghauser Herzogstadtvereins, ein wüster Söldnerhaufen, der sich
erwartungsvoll um eine schöne Maid balgte und kraftstrotzend jedermann ob Hof oder
Gesinde - klar machte, dass man sich als freie Landsknechte und niemandes
Diener" betrachtete.Kanonaden der Arkebusiere auf dem Burgsöller und am
Parapluie", die kunstfertige Anwendung des Awarenbogens, der zielsichere
Gebrauch der Armbrust und und und. Eine Retrospektive auf das militärische Leben im
Mittelalter und Barock, ein lustvolles Sittengemälde, das zusammen mit Auftritten
einer Moritatensängerin, den Renaissancetänzen der Gruppe Sualava" oder
einigen historischen Chören - zu einem regen Treiben auf allen Schauplätzen des Festes
führte.
Mittelalterliches und barockes Kulinarium"
An Hunger oder mangelnder Feuchtigkeit der Kehle darben musste natürlich auch
niemand, denn bis spät in die Nacht wurden die Grillroste, spieße und Backöfen in
Gang gehalten, kulinarische mittelalterliche Kostbarkeyten" gebrutzelt, in den
Töpfen schmurgelte es verheißungsvoll, und vielfältige Düfte zogen über das Gelände
um die Burg. Die Trinkhörner" wurden rege mit Met oder dem nach Reinheitsgebot
gebrauten Gerstensaft gefüllt, und scharf gebranntes Aqua vitae" erquickte die
Gemüter. Eine rundum gelungene Premiere, die Vorfreude für nächstes Jahr aufkommen
lässt.
Pressebericht aus der Südostbayerischen Rundschau |